A. Zuntz GmbH

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A. Zuntz sel. Wwe.

Kaffee-Großrösterei

Zuntz.jpg

Gegründet

1837

Marken

Zuntz Kaffee, Suprema

Unternehmenssitz

Bonn, ...   
Berlin, W 35, Magdeburger Platz 4  
Hamburg, ...  

Technik

Dampf-Kaffee-Brennerei

Status

Ehemaliges Unternehmen


Geschichte

von Gabriele Wasser

Amschel (Ascher) Herz Zuntz und seine Cousine Rachel Hess heiraten Ende 1813 in Frankfurt. Rachel war in der Bonner Judengasse geboren, in der ihr Vater Nathan David Hess seit dem Jahr 1756 einen kleinen Kolonialwarenladen betrieb. Die Ehe von Amschel Zuntz und seiner Frau Rachel ist sehr kurz. Wenige Tage nach der Geburt des Sohnes Leopold 1814 stirbt Amschel.

Rachel, nun Witwe, ging wieder nach Bonn in das Haus ihres Vaters. Sie war eine streng religiöse Jüdin, eine fromme Frau, die alle Lehren ihrer Religion befolgt. Nach dem Tod ihres Vaters Nathan David, übernimmt Rachel 1837 sein Geschäft und gründet zusammen mit ihrem 23 jährigen Sohn Leopold die Firma A. Zuntz sel. Wwe.

Das bedeutet nach dem Sprachgebrauch der Zeit ?des seligen Amschel Zuntz Witwe?.

1840 zieht die Firma A. Zuntz sel.Wwe. von der Judengasse, jetzt in Tempelstraße unbenannt, in die Hundsgasse Nr. 14 in Bonn.

Im Laufe der Zeit überträgt die ?Witwe? wie sie von Kunden und Familie genannt wurde, immer mehr Aufgaben an ihren Sohn.

Die Kaffeerösterei wurde schon damals zum Hauptzweig des Unternehmens.

Leopold Zuntz heiratet 1846 Julie Katzenstein. Es gibt viele Konflikte mit der Mutter, da Julie nicht religiös erzogen war. Leopold Zuntz und seiner Frau werden 11 Kinder geboren, die alle religiös erzogen werden, weil Leopold die Mutter nicht verletzen will. Rachel blieb körperlich und geistig frisch bis sie am 21. Januar 1874 mit 87 Jahren stirbt.

Die Last der sich ständig vergrößernden Firma liegt nun auf Leopold, der auch kurz nach dem Tod der Mutter auch 1874 stirbt. Albert Zuntz, der nach des Vaters Willen das Geschäft übernahm, starb bereits 1881 an Tuberkulose und sein Bruder Josef übernahm die Firma.

Unter seiner Leitung erlebte die Firma einen großen Aufschwung.

Josef Zuntz wurde griechischer Konsul und nutze geschickt seine Kontakte zum Wohle der Firma. Auch er war von schlechter Gesundheit und starb im Jahr 1900. Seine jüngeren Brüder David Zuntz und Richard Zuntz sowie seine Schwiegersöhne Louis Sondermann und Albert Bing wurden Teilhaber der Firma und trugen viel zum Erfolg der Firma bei.

Rachel Zuntz hatte immer gewollt, dass ihr Sohn nach Berlin ging, um dort eine Zweigstelle zu eröffnen. Für sie lag dort die Zukunft des Geschäftes.

1879, erfüllt Albert Zuntz den Wunsch der Großmutter und errichtet dort eine Zweigniederlassung.

1887 erhielt man das Patent auf die Herstellung eines Kaffeekonzentrats.

Der Berliner Filiale folgt 1889 unter Josef Zuntz eine Niederlassung in Hamburg.

Die Firma hat einen guten Ruf und avanciert zum Hoflieferanten des Hauses Sachsen-Coburg, des Hauses Preußen und des Kaisers.

1891 verlegt Josef Zuntz die Firma nach Poppelsdorf, Am Grünen Weg 78, heute Königsstraße. (Poppelsdorf gehörte damals noch nicht zu Bonn.)

Dort erbaut Josef einen eindrucksvollen Gebäudekomplex, in dem neben der Rösterei auch die Verwaltung der Firma untergebracht wurde. Josef stellt neben Kaffee auch Mischungen verschiedener Teesorten her, die rasch einen großen Abnehmerkreis finden.

Auf der Weltausstellung 1896 hat die Firma mit einem Ausschank-Pavillon so großen Erfolg, dass ein Jahr später (1897) am Spittelmarkt in Berlin die erste Kaffeestube eröffnet wird. (Die Errichtung von öffentlichen Kaffeestuben war eine neue Form der Verbreitung des Kaffeetrinkens.)

Der Firmenname wurde in ganz Berlin als Kaffeemarke bekannt.

1907 Brand in der Dampf-Kaffee-Brennerei in Berlin.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges sind es schon dreißig Stück.

Durch den Krieg gibt es einen großen Rückschlag für die Firma.

Nach dem Krieg leben Leopold Zuntz Kinder alle nicht mehr, sie sind gefallen oder gestorben. Von den 3 Söhnen des zweitjüngsten Sohnes von Leopold, übernimmt Albert die Bonner Niederlassung und sein Bruder August nach langem Zögern den Betrieb in Berlin.

August Zuntz bringt die Firma zu neuer Blüte. Er handelte auch mit Pralinen und Gebäck, das er in eigener Feinbäckerei herstellt.

1925 läßt er das von der Familie schon früher verwandte Bild der ?Dame mit dem Schutenhut? (Rachel Zuntz) von dem Künstler Gipkins, der auch den Sarotti-Mohr entworfen hat, als Logo der Firma entwerfen.

Die Firma hat nun ein einheitliches Erscheinungsbild.

1925 wird Marcus Kruss von Kaiser?s Kaffee Hauptgesellschafter.

Beide Männer verstehen sich gut und die Firma expandiert.

1927 wurde eine Produktionsstätte in Berlin errichtet.

Ende der zwanziger Jahre eröffnen sie eine große Filiale in Hannover, es folgt eine weitere in Dresden und Antwerpen.

1930 bestanden elf Filialen, 1.934 Läden mit 17 Kaffeestuben und 2200 Stühlen.

Bis Ende 1932 gibt es in Berlin 12 Kaffeestuben und 55 Verkaufsfilialen. Die Firma hat 800 Mitarbeiter.

Der Hauptsitz der wachsenden Firma, wurde bald nach Berlin verlegt, wo zunächst noch der in Bonn geröstete Kaffee verkauft wurde.

1933 wird die Firma arisiert, August Zuntz erklärt man zum Teilhaber ohne Rechte.

Ein Enkel von Nathan Zuntz, des ältesten Sohnes von Leopold Zuntz, sollte auf die Übernahme der Firma vorbereitet werden. Dieser erkennt die Pläne der Nazis und wandert nach Palästina aus.

1937 feiert die Firma Zuntz ihr 100 jähriges Jubiläum, allerdings ohne die Familie. Nach außen darf August Zuntz nicht mehr in Erscheinung treten. Im Stillen führt er die Firma weiter.

1938 flüchtet er nach England. Andere Mitglieder der Familie begehen Selbstmord als sie abgeholt werden, einigen gelingt die Flucht.

Nach 1945 waren 40% aller Zuntz-Häuser Schutt oder unbewohnbar. August Zuntz kehrte nicht nach Deutschland zurück, er überwacht allerdings die Geschäfte von London aus. Dort hat er mit Rohkaffeehandel neu angefangen.

Seinen Neffen Peter Zuntz hatte er dort ausgebildet und Peter geht nach Berlin um die Firma zu übernehmen. Es gibt sonst niemanden mehr aus der Familie der dafür in Frage gekommen wäre.

1951 Übernahme durch Dallmayr Kaffeerösterei.

1962 zum 125 jährigen Firmenbestehen wird in Berlin das ?Zuntz im Zentrum? eröffnet.

Günther Neumann schrieb ein Chanson ?Zuntz selige Witwe 1962?.

Peter Zuntz steigt 1971 aus dem Geschäft aus.

1980 schloss die Firma Zuntz ihre Rösterei in Bonn.

Die Firma erlebt ihren 150. Geburtstag nicht mehr.


Wissenswertes

  • Ende der siebziger Jahre wird die Firma an Dallmayr und Darboven verkauft. Die Marke ?A. Zuntz sel. Wwe.? besteht bis heute. Sie gehört der Kaffeefirma A. Dallmayr in München, die den Namen bis heute benutzt.
  • Das Grab von Rachel Zuntz, der Witwe, ist auf dem jüdischen Friedhof Schwarzrheindorf. Das ihres Sohnes Leopold Zuntz auf dem Friedhof Römerstraße.
  • In Bonn (Südstadt), Königstraße 78 gibt es heute noch ein traditionssreiches Lokal mit dem Namen Zuntz Selige Witwe. Das Interieur mit seinen Werbeschildern und den Schätzen aus der Zeit der ehemaligen Kaffeerösterei Zuntz erinnert ein wenig an einen Flohmarkt.


Wissenswertes 2

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In Bonn steht noch der Giebel der alten Rösterei in der Königstraße.

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Abbildung Werbekarte (11 x 8 cm) für gebrannte Java-Caffee´s von A. Zuntz, Hoflieferant S. M. des deutschen Kaisers, Druck : C. Busch & du Fallois Soehne, Crefeld

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Kaffeetüten Zuntz Berlin-Tempelhof, Germaniastr. 95

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Autorin

Gabriele Wasser, 1. Vorsitzende des Verein für Geschichte und Kultur der Juden der Rheinlande e. V., Bonn


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