Café Maldaner, Wiesbaden

Aus Kaffeetraditionsverein
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Es war ein Bäckermeister aus Limburg, der ein Stück Wiesbadener Kaffeehaustradition begründete:


Wissenswertes

Adam Maldaner startete am 16. Oktober 1859 in der Friedrichstraße 5.

1902 erwarb sein Sohn Wilhelm Maldaner das Grundstück in der Marktstraße 34, wo sich das Wirtshaus ?Zum schwarzen Rappen" befand. Als dieses einzustürzen drohte, baute er neu.

1905 entstanden hier eine Bäckerei und eine Zwiebackfabrik, im ersten Stock ein ?Wiener Café", zwei Jahre später hieß es ?Imperial".

1913 kündigte die Witwe Johanna Maldaner dem ?Imperial" und eröffnete gleich zwei neue Betriebe: das ?Café Maldaner" und das ?Weinrestaurant Maldaner". Das Jahr war der Höhepunkt der Wiesbadener Kurwirtschaft.

Im November 1918 beschlagnahmten die in die Stadt einrückenden Franzosen das Café.

Später, 1923, sollte das ?Maldaner" vorne im Wiener, hinten in französischen Stil neu eingerichtet werden. Im ersten Stock entstand ein Konzertcafé.

1945 waren es die Amerikaner, die Gefallen an dem Kaffeehaus fanden und darin einen Club einrichteten. Auch danach hat das Haus viel erlebt. Im ?Tanzcafé Maldaner" sind Größen wie Heinz Schenk, Hans-Joachim Kulenkampff und Paul Kuhn aufgetreten. Zeitweise hieß es in den 60er Jahren ?Ba-Ba-Lu", im ersten Stock war es die ?Herz-As-Bar".

Josefine Jeuck (1905-2001) war jahrzehntelang die gastronomische Legende dieses Cafés. Die gelernte Lehrerin begann als Haushälterin und Kindermädchen bei Johanna Maldaner, die wieder geheiratet hatte und jetzt Schwertfeger hieß. Zug um Zug stieg sie in das Café-Geschäft ein. 1949 übernahm Sie die alleinige Geschäftsführung.

Mehr als ein halbes Jahrhundert hat sie diese Aufgabe zur Zufriedenheit der Besucher erfüllt. Erst mit 95 Jahren ­ da muss sie wohl ihr nahes Ende gespürt haben ­ kümmerte sie sich um die Nachfolgeregelung. Und machte mit Renate Winkel und Michael Schulz, die bis dahin das ?Dortmunder" in der Langgasse betrieben, einen Fang. Die Drei verstanden sich, wurden sich rasch handelseinig. ?Schätzchen, jetzt kann ich beruhigt abtreten", sagte Josefine zu Renate Winkel. Drei Tage später schloss die alte Dame für immer ihre Augen.

Seither haben die neuen Besitzer das ?Maldaner" mit viel Liebe und gastronomischer Erfahrung behutsam Schritt um Schritt renoviert. Dabei kam dem Haus zugute, dass Renate Winkel gelernte Inneneinrichterin und Dekorateurin ist. Michael Schulz ist Hotelkaufmann und Koch. Sehr viel konnten sie selbst machen. Beide sind übrigens waschechte Wiesbadener und Anhänger der traditionellen Gastronomie. Einen guten Ruf hat das ?Maldaner" übrigens in der ganzen Welt.

(Quelle: 14.10.2009 - Wiesbadener Tageblatt, Ein Hauch von Wien in Wiesbaden - Café "Maladaner" wird 150, von Manfred Gerber )


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