F.L. Michaelis

Aus Kaffeetraditionsverein
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F.L. Michaelis

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Gegründet

1875

Unternehmenssitz

Bremen

Importländer

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Status

aktiv


Geschichte

Mit Schreiben vom 1. Januar 1875 gab der Kaufmann Franz Ludwig Michaelis die Gründung der Firma F.L. Michaelis als ein Agentur- und Kommissionsgeschäft bekannt. Er benannte neben verschiedenen, heute nicht mehr existenten Firmen in Hamburg, London und Vera Cruz als Referenz auch die Bremer Firma Heinr. Rüppel & Sohn. Das erste Comptoir befand sich an der Schlachte 27. Die Eintragung im Handelsregister erfolgte am 4. Januar 1875 und gilt heute als Gründungstag.

Franz Ludwig Michaelis (ein Onkel des späteren kurzzeitigen Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten Georg Michaelis) hatte zuvor lange Jahre in Lateinamerika verbracht. In den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung befasst sich die Firma vornehmlich mit Agenturen auf den Gebiet der Seeschifffahrt.

Der Großvater der heutigen Inhaber, Conrad Dietrich Rudolf Hohn, trat 1897 als Prokurist in die Firma ein und wurde 1903 Gesellschafter. Er führte die Firma nach dem Tod des Gründers im Jahre 1919 als Alleininhaber fort.

Als Folge der sich gleich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ausweitenden Vertretungen ausländischer Reedereien wurde 1921 eine Niederlassung in Bremerhaven gegründet. Zu dieser Zeit vertrat die Firma u.a. die renommierte englische Reederei Royal Mail Lines.

1930 nahm Conrad Rudolf Hohn, seit dem Jahre 1909 Konsul von Guatemala und in Bremen auch Doyen des konsularischen Corps, seinen ältesten Sohn, Conrad Henry Hohn, als Teilhaber in die Firma auf. 1936 trat auch der zweite Sohn Wilhelm Ludwig Hohn, nach Rückkehr von einer langjährigen Tätigkeit auf einer Kaffeeplantage in Haiti, der Gesellschaft als Teilhaber bei.

Während sich der Senior weiterhin dem Agenturgeschäft widmete, bauten seine beiden Söhne das Warengeschäft auf. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde der Handel mit Rohkaffee und Tee ständig ausgeweitet und schon damals verfügte die Firma über einen treuen Kundenkreis im gesamten ehemaligen Reichsgebiet.

Als der Ausbruch des zweiten Weltkrieges dem Einfuhrhandel ebenso wie den Reederei-Vertretungen ein jähes Ende setzte, gelang es trotz aller Schwierigkeiten, den Geschäftsbereich durch Umstellung auf den Handel mit Lebensmittel-Ersatzprodukten aufrecht zu erhalten. In den Kriegswirren des Jahres 1944 brannten die Geschäftsräume in der Langenstrasse völlig aus. Dennoch wurde der Geschäftbetrieb noch unter schwierigsten Bedingungen in einer Bremer Vorstadt bis zum Ende des Krieges mit einigen unverzagten Mitarbeitern fortgeführt.

Sogleich nach Ende des Krieges wurde im Saal einer Gaststätte in der Kirchbachstraße wieder die Herstellung, Abpackung und Handel von Ersatztees und Vegetabilien aufgenommen. Der Arbeitsablauf wurde für die bis zu 20 Packerinnen in dieser Produktionsstätte bei Stromausfall regelmäßig mangels Tageslichts unterbrochen. Es wurde das dann bei Kindern so beliebte Brausepulver produziert. Ältere Bremer werden sich an das mit kräftigen Farbstoffen versehene und unter dem Namen Brausejunge vertriebene Produkt erinnern. Als erstes Fahrzeug für Auslieferungen diente ein Fahrrad mit Hilfsmotor und kleinem Anhänger. 1946 verstarb im Alter von 80 Jahren der Senior, Konsul Hohn, und das Agenturgeschäft wurde aufgegeben.

Ende 1948 wurde es möglich, den traditionellen Einfuhrhandel mit Rohkaffee und Tee wieder aufzunehmen und sich ganz auf dieses Geschäft zu konzentrieren.

Im Jahre 1963 verstarb Conrad Henry Hohn und sein Sohn, Henry Rudolf Hohn, trat als Teilhaber in die Firma ein. Zu dieser Zeit wurde das Importgeschäft durch die Einfuhr von Frucht- und Gemüsekonserven aus überseeischen Ländern weiter ausgebaut. Diese Sparte wurde jedoch Anfang der neunziger Jahre wegen der erheblichen Konzentration im Lebensmittelhandel wieder aufgegeben.

Im Alter von 84 Jahren verstarb 1991Wilhelm Ludwig Hohn. Bis zuletzt war er im Geschäft tätig Sein Sohn, Bernd Hohn, wurde nach dem Tode des Vaters ebenfalls Teilhaber, nachdem er schon 10 Jahre zuvor in die Firma eingetreten war.

Seit 1966 befinden sich die Geschäftsräume in der Parkallee 63. Dort betätigt sich die Firma weiterhin mit der Einfuhr von Rohkaffee und Tee. Beliefert werden Kaffee-Röstereien und Teefachgeschäfte in allen Bundesländern und im benachbarten Ausland. Die Lagerung der Importwaren erfolgt vornehmlich im Hafengebiet, jedoch wird auch ein eigenes Stadtlager für Auslieferungen unterhalten.

Erfreut sind die geschäftsführenden Gesellschafter, Henry Hohn und Bernd Hohn, über die langjährige Firmenzugehörigkeit aller ihrer Mitarbeiter. Ihnen zur Seite steht besonders der Prokurist Peter Fischmann, der sich in vier Jahrzehnten der Betriebszugehörigkeit den Ruf eines versierten Kaffee-Experten verschafft hat. In einem für einen mittelständischen Betrieb nicht immer einfachen Umfeld blickt man an der Parkallee mit einem gesunden Optimismus in die Zukunft.


Wissenswertes

F.L. Michaelis war nach seiner Gründung im Jahre 1875 zunächst vornehmlich als Schiffahrtsagentur tätig.

Der Handel mit Rohkaffee und Tee wurde vor allem in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ausgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut und ständig erweitert.

Während das Agenturgeschäft 1946 aufgegeben wurde, erweiterten die Firmeninhaber Wilhelm John und Henry John das Handelsgeschäft in den 60er Jahren um die Einfuhr von Frucht- und Gemüsekonserven aus überseeischen Ländern.

Am 1. Januar 1975 feierte die Firma F.L. Michaelis 100jähriges Bestehen.


Quellen