Groneweg & Meintrup Kaffee-Großrösterei

Aus Kaffeetraditionsverein
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Im März 1923 gründeten die Herren Adolf Groneweg senior und Karl Meintrup die Kaffee- und Getreiderösterei unter der Bezeichnung Münsterländer Korn- und Malzkaffeewerk (Mükorma) Groneweg & Meintrup, Münster (Westf.).

So beginnt die Geschichte eines Familien-Unternehmens und mag in den Ohren des heutigen Zuhörers nicht gerade abenteuerlich klingen, dem langen Firmennamen nach eher etwas umständlich. Trotzdem war es ein Abenteuer, denn die Gründung fand in den Krisenjahren nach dem ersten Weltkrieg statt, mitten in der Inflation, als das Geld über Nacht seinen Wert verlor. Und blieb ein Abenteuer, weil Jahrzehnte mit widerspruchsvollen wirtschaftlichen und politischen Ereignissen folgten - die junge Firma hatte sich den abwechslungsreichen Geschehnissen anzupassen, die Bilanz ihrer Erfolge und Rückschläge wird damit zum Spiegelbild der Zeit.

Groneweg & Meintrup

Kaffee-Großrösterei

Kaffee-Import

Korn- u. Malzkaffeewerk

Vox.jpg

Gegründet

1923

Produktion eingestellt

1971

Marken

VOX Kaffee,

KAFIX-Surrogat,

DUX

Unternehmenssitz

Münster

Slogan

Status

Ehemaliges Unternehmen


Geschichte

1923 - Der Chef röstet selbst

Ein kleines Kontor und ein Raum zum Kaffeerösten in einem Hinterhaus der Stadt Münster in Westfalen sind der Anfang. Man stellt zwei Kugelröster für Getreide auf und beschafft - mitten in der Inflation ein schwieriges Unterfangen - einen Handröster für Bohnenkaffee. Doch Kaffee läßt sich damit noch nicht auftreiben. So wird zunächst nur Gerstenkaffee, Roggenkaffee und Kornkaffee geröstet. Adolf Groneweg senior überwacht am Samstag selbst diese Arbeit. Sein Sohn erinnert sich: "In der Spätzeit der Inflation gab es irgendwie in Hamburg ein Hamburger Notgeld - eine ganz komische Einrichtung. Jedenfalls fuhr meine Mutter zwei- oder dreimal die Woche mit einem Riesenkoffer voll Papiergeld nach Hamburg. Das Geld wurde dort in dieses Hamburger Notgeld umgetauscht, und dafür konnte man dann ein paar Sack Rohkaffee einkaufen. Überweisen ließ sich das Inflationsgeld nicht, denn es verlor stündlich an Wert und war fast verfallen, ehe es ankam ... "

1924 - Bohnenkaffee im Handtuchsäckchen

Die Inflation ist vorbei, der Verkauf läuft gut an. Bald hat der kleine Betrieb schon 18 kaufmännische Mitarbeiter und beschäftigt 30 Leute im Betrieb. Neue Räume werden hinzugemietet, man kauft größere Röster. An Stelle eines kleinen Handwagens, mit dem man den Rohkaffee bisher vom Zollager am Hafen von Münster abholte, steht nun ein Pritschenwagen mit Zeltverdeck im Hof. Der geröstete Kaffee kommt in Handtuchsäckchen zu 5, 10 und 15 kg oder auch in größeren Mengen zum Versand.

1926 - Pech mit dem ersten Auto

Vier neue Kugelröster sind wieder angeschafft. Der mittlerweile an drei Steilen von Münster gemietete Raum reicht nicht mehr aus, der Betrieb soll nun gemeinsam in einem neuen großen Gebäude untergebracht werden. Die Kundschaft besucht man zunächst weiter zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bahn. Schließlich mit einem Auto - doch der stolze "Wanderer" hat schon bald eine schwere Karambolage.

1929 - Konjunktur

Ein Jahr der guten Zahlen: Jahresumsatz fünf Millionen Reichsmark, pro Monat werden tausend Sack Bohnenkaffee und hundert Tonnen Kornkaffee geröstet. Das neue Gebäude ist bezogen, und neue Mitarbeiter werden eingestellt. 50 bis 60 Vertreter sind unterwegs.

1931 - Entlassungen und Kurzarbeit

"Wir gaben uns große Mühe, die Umsätze nicht ins Uferlose absinken zu lassen ... " heißt ein vielsagender Satz in der Geschäftschronik, der mehr als eine Zahlenbilanz die damalige Situation illustriert. Bald erreicht die allgemeine Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt. Die Kaffeepreise sinken - bedingt durch ein überangebot - weiter ab. Mit Zugaben von Porzellan, Damenwäsche und Spielzeug versucht die Firma, trotzdem Kaffee zu verkaufen.

1934 - 250 verschiedene Kaffeemischungen

... bietet das Werk nun an. Der Kunde darf wählen, ob der Handtuchsack mit Kaffee kariert oder gestreift sein soll, ob netto oder brutto verwogen. Mühsame Jahre - endlich steigen durch die allgemeine Konjunktur wieder die Umsätze.

1938 - Rationalisierung und neue Absatzwege

Adolf Groneweg junior (* 1909), jetziger Chef des Kaffeewerk Groneweg & Meintrup, übernimmt nach dem Tod seines Vaters und Karl Meintrups die Firma. Innerhalb kurzer Zeit vereinfacht er den Arbeitsgang des Werkes: statt 250 Mischungen röstet man nur noch dreißig Kaffeesorten. Jetzt wird auch größerer Wert auf eine gute Verpackung gelegt. Die Viertelpfundpakete zu sechzig, fünfundsiebzig und achtzig Pfennig sind als Markenware halbautomatisch verpackt und kommen schnell zum Versand. - Der Frischdienst-Gedanke wird geboren. Zunächst erhalten nur die Kunden in der nächsten Umgebung des Werkes regelmäßig die neue Paketware, bald erweitert man den Abnehmerkreis über das Ruhrgebiet hinaus. Jede Packung bekommt einen Datumstempel eingeprägt, so daß Einzelhändler und Käufer selbst kontrollieren können, wie frisch der Kaffee ist. Man plant für die Markenpackung aus Aluminiumfolie den Kauf der ersten vollautomatischen Paketiermaschine.

1939 bis 1945 - Bezugscheine, Ersatz, Evakuierung

Zweite Weltkrieg - Der neue Verpackungs-Automat ist aufgestellt, jedoch kann er bald - statt Viertelpfund-Päckchen - nur noch fünfzig Gramm Kaffee abfüllen, denn Bohnenkaffee ist jetzt "Mangelware". Dann gibt es nur noch Getreidekaffee und schließlich jahrelang nichts als gemahlenen Kaffee-Ersatz. Später wird auch das Tütenpapier knapp ... Als die Bombenangriffe afuf Münster zunehmen, evakuiert man den "Mammut-Röster" des Werkes in das Dorf Bockhorst am Fuß des Teutoburger Waldes, der Packautomat folgt ihm nach. In Münster gibt es bald weder Wasser, Gas noch elektrisches Licht, das Bürohaus wird zerstört, etwas später das Hauptgebäude. Von Bockhorst aus liefert man auf Bezugschein weiter Kaffee-Ersatz in Papiersäcken. Ab und zu sind auch kleine Mengen Bohnenkaffee für die Krankenhäuser zu rösten die Schwestern holen ihn ab, denn die Postwege sind unsicher geworden. Im Sommer 1945 kommt der Chef aus der Kriegsgefangenschaft zurück und beschließt, das Werk in Münster wieder aufzubauen.

1945 bis 1948 - Ein Pferdewagen zum Schuttabfahren

Er wird nach langem Hin und Her endlich aufgetrieben, aber das Pferd ist zu ausgehungert, um ihn zu ziehen. Wer vom Bockhorster Betrieb helfen kann, greift mit in die Speichen, damit der Trümmerschutt in Münster abgefahren werden kann. Nur langsam geht der Wiederaufbau voran; es fehlt an allem, und was man am Tage zusammenbaut, ist in der Nacht oft wieder gestohlen. Nach und nach baut man den ersten Röster und eine Mälztrommel zusammen - im August 1946 wird wieder Getreide geröstet. Es ist schwer zu beschaffen und ein Formularkrieg nötig, um nur einige - Papiersäcke zu erhalten. Noch dürfen keine Einzelhändler beliefert werden, gegen Bezugschein geht die Ware an den Großhändler. Nach der Währungsreform, Ende 1948, stellt die Militärregierung der deutschen Zivilbevölkerung aus Heeresbeständen amerikanischen Kaffee zur Verfügung. Die Firma als "Hauptverteiler" liefert den gerösteten Kaffee gegen Bezugscheine.

1950 - Fünfzig Autos für Kaffee

Zunächst von Bockhorst, dann von Münster aus, versucht man, die alten Kontakte zu den ehemaligen Kunden im Einzelhandel wieder aufzunehmen. Nach und nach gibt es größere Zuteilungen von Bohnenkaffee. Zwölf Angestellte richten sich im hinteren Teil einer Garage ein notdürftiges Büro ein und halton zwei Jahre lang darin aus. Mit der alten Vertriebsmethode - Reisende Illunmein Aufträge, danach Versand per Post oder Bahn vom Werk - fängt man nicht wieder an. Das Ziel, Kaffee schnell, regelmäßig und frisch in die Genchtlfte zu bringen - mögen sie auch Hunderte von Kilometern entfernt sein -, zwingt zu neuen Absatzmethoden. 50 Wagen beliefern die Einzelhändler in gleichen Zeitabständen mit frischer Ware, bei gleichzeitiger Rechnungserteilung und Kasse. Der Kaffee ist in Päckchen aus Pergamyn, Aluminiumfolie und Zellglas haltbar verpackt und trägt den Datumstempel als Aroma-Garantie. Er wird wieder "Markenware", den umständlichen Namen "Mükorma" wandelt man in VOX für Bohnenkaffee und DUX für Kaffee-Ersatz um.

1950 bis 1960 - Ein Jahrzehnt wirtschaftlicher Blüte

Veränderungen im Betriebsablauf, neue Investitionen und Vergrößerungen sind bald nötig. Als einzige Firma im Münsterland erhält die Rösterei die Genehmigung zur Errichtung eines "Zolleigenlagers". Es hat ein Fassungsvermögen von mehr als 10.000 Sack Rohkaffee. Neue Grundstücke können nach langwierigen Verhandlungen hinzugekauft werden, so daß sich die ehemalige Grundfläche des Werkes von 1.500 auf 7.000 Quadratmeter ausweitet. "VOX-Kaffee tropagemahlen", eine dem Werk patentierte Erfindung kann Anfang 1956 auf den Markt gebracht werden. In Bockhorst verbleiben die Herstellung von Kaffee-Ersatz, eine Tee- und Kakao-Abteilung. Auch diese Anlagen werden aufs modernste ausgerüstet. Zweihundert Frischdienst-Wagen sind ständig unterwegs; eigene große Lastzüge fahren die Ware zu den Bezirksreisenden. Die Erweiterungsarbeiten im Werk gehen weiter; die Zahl der Mitarbeiter steigt auf fünfhundert.

1963 - Bilanz nach 40 Jahren Das moderne System des Frischdienstes, von Adolf Groneweg junior schon vor dem Kriege erprobt, hat sich glänzend bewährt! Einzelhändler und Verbraucher schätzen die regelmäßige und schnelle Belieferung. Zahlreiche neue Verkaufsbezirke kamen hinzu: VOX-Reisende besuchen jetzt hunderttausend Geschäfte. Der 500ste VW-Transporter fährt seine Touren. Die ständig steigende Nachfrage erforderte weitere Rationalisierung und Automation im Betrieb und in der Verwaltung. Mehr als zwanzigtausend Sack faßt das neue Rohkaffeelager. Im modernsten Gebäudeteil arbeitet die vervollkommnete "tropa"-Mahlanlage. Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit kam 1961 VOX-Kaffee im luftleer versiegelten "Vakuum-Tresor" auf den Markt. Im "VakuumTresor" gibt es jetzt auch gemahlenen VOX-Kaffee in verschiedenen Mischungen. Expreßkaffee, Kräutertees in Aufgußbeuteln, Kaffeefilter und Filtertüten runden das Angebot ab.

Dieter Groneweg, der Enkel des Gründers, trat nach seiner Ausbildung im In- und Ausland in die Firma ein und übernahm wichtige Aufgaben. Das Werk zählte 650 Mitarbeiter. Seit 25 Jahren leitet Adolf Groneweg junior die Geschicke des Hauses durch Zeiten der Not und durch Zeiten großer Erfolge.

Quelle: Auszug aus ... "Das Gold der Tropen",1963

1966 In Berlin entsteht ein großes Pulverkaffee-Werk. Eine Gruppe deutscher Kaffeehändler mit Herstellungsmarken (?Vox?, ?Ronning? und andere) will in Zukunft dort gemeinsam produzieren. Quelle: zeit.de/1966/08/preiskampf-um-pulverkaffee/seite-2

1971 stellt das Unternehmen aus Kostengründen die Produktion ein und veräußerte die Außendienstorganisation an Melitta. [2]


Wissenswertes

  • Die Marke "VOX" ist im Billigbereich angesiedelt.
  • VOX Kaffee unterhielt ein Auslieferungslager in Osnabrück, Schlagforder Strasse 5. [1]


Wissenswertes 2

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Abbildung einer Vox Kaffeewerbung (Pappe), 54,5 cm x 29 cm, aus den 70er Jahren

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Der neue VOX-Kaffee

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VOX Kaffee 500g Dose

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Produktblatt aus Preisliste 1959

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Vox werbung 3.jpg

Werbung der "Familienbaum" von VOX-Kaffee Bremen auf einer VOX Kaffeedose


Einzelnachweis

[1] Harald Preuin: Serie: Kaffee-Röstereien (1), aus Osnabrücker Nachrichten, 25. September 2009

[2] DER SPIEGEL MÄRKTE / VOX-KAFFEE vom 18. Januar 1971


Weblinks