Johan Sigismund Wurffbain

Aus Kaffeetraditionsverein
Wechseln zu: Navigation, Suche


Nürnberger war der erste deutsche Kaffeehändler

von Wolfgang Mayer

Im Mittelalter war es Brauch unter Nürnberger Kaufleuten, ihren Nachwuchs zur Ausbildung zu Partnern in die Ferne zu schicken. So gelangte Johan Sigismund Wurffbain (geboren am 20. August 1613) aus Nürnberg nach Amsterdam. Im Januar 1632 heuerte er sogar bei der Niederländischen Ostindien-Kompagnie an. Auf diese Weise kam er nach Mokka am Roten Meer. In die Geschichte ging Wurffbain als wohl erster deutscher Kaffeehändler ein.

»Cauwa, so eine Art von Bohnen, die allein in dem um Mocha liegenden Gebirge zu wachsen pflegen«, beschrieb Johan Sigismund Wurffbain die Fracht, die er 1640 aufnahm. Es war ein kleiner Hörfehler: Es hieß eigentlich »Kah?wa«, und man könnte es als Wein übersetzen - Kaffee, der Wein der Araber!

Wurffbains Vater war Rechtsgelehrter gewesen, und Mitglied im Nürnberger Stadtrat. Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges - keine gute Zeit, und die Perspektiven für den jungen Mann aus Nürnberg waren düster. Deshalb folgte er dem Rat des Vaters und zog 1628 nach Amsterdam, um die Feinheiten des Handels zu lernen. Drei Jahre später kam er in die Nürnberger Heimat zurück.

Doch bald zog es Wurffbain wieder in die Ferne. Im Januar 1632 heuerte er bei der 1602 gegründeten Niederländischen Ostindischen Kompanie an - zunächst als Soldat. So ging es zum Stützpunkt der Niederländer auf Batavia. Ostindische Kompagnien unterhielten mehrere Kolonialmächte. Das waren Gesellschaften, die für den Handel mit Indien und Ostasien privilegiert waren. Zur Durchsetzung ihrer Handelspolitik setzten sie sowohl diplomatische als auch kriegerische Mittel ein - und rekrutierten eben Soldaten. Der Kriegsdienst blieb für viele Europäer die einzige Möglichkeit, aus der Heimat auszubrechen.

1634 stieg Wurffbain zum Handelsassistenten auf, drei Jahre später zum Unterkaufmann in der Handelsniederlassung von Surat - einer wichtigen Hafenstadt an der indischen Westküste. Wurffbain handelte hier vor allem mit Edelsteinen, aber er unternahm im Auftrag der Kompanie auch Reisen. Eine führte ihn 1640 nach Mokka. Die Niederländer hatten hier seit 1621 die Erlaubnis des Sultans der Osmanen, ein Handelskontor zu unterhalten.

Mit einer Schiffsladung von Gewürzen, Porzellan, Tabak, Zucker und Blei kam Wurffbain also in Mokka an. Für den Erlös kaufte er 83.540 Pfund Kaffeebohnen - und brachte sie zurück nach Surat. Der Siegeszug des Kaffees nach Europa war jedoch nicht aufzuhalten.

Die Kaffeepflanze stammte ursprünglich aus Äthiopien. Aber der Jemen war im 6. Jahrhundert vorübergehend Teil des äthiopischen Königreiches Aksum - zu jener Zeit kam die Kaffeepflanze wohl auf die Arabische Halbinsel. Dort wurde sie erstmals systematisch kultiviert und von dort erstmals der Kaffee exportiert. Das erste Kaffeehaus in Europa öffnete Anfang der 1640er Jahre in Venedig.

1642 wurde Wurffbain bei den Niederländern zum Oberkaufmann befördert, doch 1645 war er wieder daheim in Nürnberg zu finden. Wegen der ungewöhnlichen Kleidung, die er sich angewöhnt hatte, musste er eine Strafe zahlen. 1650 wurde Johan Sigismund Wurffbain wie schon sein Vater Mitglied des Stadtrates. Er starb 1661 in seiner Heimatstadt.


Einzelnachweise

Wolfgang Mayer: [nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/wirtschaft/eine-art-von-bohnen-macht-geschichte-1.33979], aus nordbayern.de, 14. Juli 2010