Getreidekaffee

Aus Kaffeetraditionsverein
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Das Sortiment der GEG, Hamburg, 1953 mit Kaffee-Mischungen Vita (20 oder 40% Kaffee-Bohnenanteil), Ersatzkaffee, Kaffee-Gewürz, Kaffee-Zusatz-Essenz und Feigen Kaffee.
Das Sortiment der GEG, Hamburg, 1953 mit Kaffee-Mischungen Vita (20 oder 40% Kaffee-Bohnenanteil), Ersatzkaffee, Kaffee-Gewürz, Kaffee-Zusatz-Essenz und Feigen Kaffee.
Die GEPAG Eigenmarken mit Kornkaffee und Malzkaffee der christlichen Konsumgenossenschaften, etwa 1930
Die GEPAG Eigenmarken mit Kornkaffee und Malzkaffee der christlichen Konsumgenossenschaften, etwa 1930

Getreidekaffee (auch Kaffeeersatz, Kaffeesurrogat, Muckefuck, Malzkaffee, Ersatzkaffee, Gerstenkaffee oder Fruchtkaffee) ist ein kaffeeähnliches Getränk, das aus einer Mischung von verschiedenen Getreidesorten hergestellt wird und meist auch Zichorie enthält. Im Gegensatz zu echtem Kaffee, zu Bohnenkaffee enthält Getreidekaffee kein Koffein.


Etymologie

Für Ersatzkaffee ist die Bezeichnung Muckefuck weit verbreitet. Für deren Herkunft gibt es die volksetymologische Erklärung, dass die Bezeichnung Mocca faux (französisch für falscher Kaffee) 1870 während des deutsch-französischen Krieges oder während der französischen Annektierung des Rheinlandes unter Napoléon Bonaparte eingedeutscht wurde. Die Sprachwissenschaft hält eine Zusammensetzung aus Mucke (brauner Holzmulm) und fuck (faul) für plausibler. Im Berliner Jargon gibt es auch die aussterbende Bezeichnung Lorke.


Zutaten

Typischerweise wird Ersatzkaffee aus Gerste, Malz, Roggen, Milokorn, Eicheln, Bucheckern, Feigen oder Zichorien gewonnen, aber es wurde auch mit Pflanzen wie Lupine, geröstete, gemahlene Möhren, Dattelkerne, Weintraubenkerne, Erdmandel, Spargel, Hagebutte, Vogelkirsche, Kartoffeln, Mandeln, Mais, Löwenzahn, Dinkel und Kastanien experimentiert.

Auch aus Löwenzahn-Wurzeln kann ein Kaffee-ähnliches Getränk hergestellt werden. Dieser "Kaffee" wurde früher in einigen Gegenden Bayerns für den Hausgebrauch hergestellt. Einer verbreiteten Verwendung stand allerdings entgegen, dass die Wurzeln der Pflanze verhältnismäßig klein sind und ziemlich tief im Boden sitzen, so dass sie sich schwer ausgraben lassen. Die Wurzeln wurden getrocknet, geröstet und anschließend wie Kaffeebohnen gemahlen.

Seelig`s kandierter Korn-Kaffee
Seelig`s kandierter Korn-Kaffee

Geschichte

Schon in Babylon und im alten Ägypten verstand man sich auf die Herstellung von Getränken aus gerösteten Körnern. Als Friedrich der Große den Konsum von Bohnenkaffee für das einfache Volk verbot, oder während der napoleonischen Kontinentalsperre von 1806 bis 1812, musste man nach Alternativen für den beliebten Übersee-Kaffee suchen. Die ersten Zichorienfabriken entstanden in Deutschland Ende des 18. Jahrhunderts. Zum Teil wurde der teure Bohnenkaffee auch mit Zichorienkaffee vermischt.

Der populäre Köthener Wunderheiler Arthur Lutze erfand Mitte des 19. Jahrhunderts den ersten "Gesundheits-Kaffee" im wesentlichen aus Gerste. Sein Produkt wurde dort noch bis ins 20. Jahrhundert unter dem Namen ?Wittig's Gesundheits-Kaffee? (Louis Wittig & Co.)hergestellt. Danach war die Marke Caro-Kaffee lange Zeit Marktführer. 1954 kam Caro, hergestellt aus Gerste, Malz, Zichorie und Roggen, als erstes Instant-Ersatzkaffeegetränk in Deutschland auf den Markt und verdrängte allmählich nicht-lösliche Marken.

Neuerdings ist Getreidekaffee oder Fruchtkaffee vor allem in der Naturkostbewegung wieder im Trend, da er als gesünder und bekömmlicher gilt, vor allem weil er kein Koffein enthält.


Gesundheitliche Risiken?

Im Zusammenhang mit der Diskussion um das möglicherweise krebserregende Acrylamid hat das gesunde Image des Ersatzkaffees in den Augen mancher Verbraucher gelitten. So war Getreidekaffeepulver nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bei Messungen Ende 2002 mit 420 bis 2.350 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm belastet. Ähnliche Werte wurden jedoch auch für Röstkaffee gemessen. Die Zeitschrift ÖKO-TEST wies in seiner Ausgabe Mai 2003 darauf hin, dass allerdings nicht die Menge, die in dem Pulver enthalten ist, als Massstab gelten solle, sondern die vom Menschen aufgenommene Menge. Wird die konsumierte Durtchschnittesmenge von von 500 ml Getränk zu Gunde gelegt, dann lagen alle geprüften Sorten unter deren Abwertungsgrenze von 10 µg Acrylamid pro Tag und Lebensmittel. [1]


Weblinks