Diskussion:Thams & Garfs

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Diskussionsbeitrag von KaffeeRichter zu folgendem Absatz zur Geschichte der Firma:

"In den 30iger Jahren bestanden etwa im gesamten deutschen Reich 1.200 Thams & Garfs Geschäfte; nach dem 2. Weltkrieg wurden die Geschäfte in dem Gebiet der alten Bunderepublik auf etwa 750 wieder ausgebaut. 1936 stirbt der Firmenmitbegründer Heinrich Thams. Sein Sohn, (Hans-Heinrich Thams), wird zunächst mit Friedrich Garfs Mitinhaber der Firma. Nach dem Kriege wird Hans-Heinrich Thams Alleininhaber der Firma in dem Gebiet der alten Bundesländer, soweit bekannt wird der Firmenanteil von Friedrich Garfs in der ehemaligen DDR enteignet."

Als ehem.Mitarbeiter des Lübecker Zweiges der Fa. Thams & Garfs von 1954-1957 ergänze ich:

Es muß seit den 30er Jahren, also möglicherweise nach dem Tod des Heinrich Thams bereits eine Firmenteilung gegeben haben und zwar ein Verkauf oder Übertragung eines Teils der Geschäfte an die Inhaber-Familie Franz Hagen, Lübeck und zwar in den Regionen Schleswig Holstein ,Mecklenburg, evtl. auch Pommern ganz bestimmt aber Ostpreussen. Denn ein großer Teil meiner ehemaligen Kollegen in den 50er Jahren stammte aus diesen Filialen, alle abhängig und beliefert von der Zentrale, also kein Franchise. Aus der gleichen Zeit bzw. nach dem Krieg ist mir bekannt, daß es in Lüneburg (vielleicht kriegbedingt) eine weitere Filial-Zentrale unter dem Namen Frieda Garfs (vielleicht die Ehefrau oder andere Verwandte eines der Gründer ? gegeben hat, deren Filialen vor allem in südlich davon gelegenen Standorten, mir davon bekannt ist Konstanz am Bodensee und Bensheim a.d.Bergstrasse (schon 1939).

Die Filialen in Lübeck müssen bis in die 60er 70er Jahre, evtl.auch länger unter dem Namen Thams & Garfs bestanden haben, und sind dann z.T.im HL-Rewe Konzern aufgegangen, die Hagen'sche Grundstücks-Verwaltung besteht heute noch. Es wäre doch schön, wenn man die komplette Firmengeschichte noch erfahren und festhalten könnte

Ich selbst bin geb. Hamburger, Sohn eines KaffeeKaufmanns (dav. 3 Jahre Guatemala auf der Plantage) und seiner Ehefrau, die von "Kaiser's" kam. Unter dem Slogan "Wer Kaffee kennt zu Richter rennt", betrieben meine Eltern in HH-Borgfelde ein Kaffee- Schokoladen- & Kolonialwaren-Geschäft von 1936-1943 (Gründung 1932 in HH, Süderstrasse), dann ausgebombt und nach Lübeck verlegt.

Diskussionsbeitrag von Christel Wittenburg, Eichenweg 18, 18273 Güstrow

Drei Generationen meiner Vorfahren wohnten in Brüel, von denen erfuhr ich einiges Wissenswerte über die Familie Garfs. Der Kaufmann Friedrich Garfs hatte für seine Familie in Brüel/Kronskamp ein sehr schönes Anwesen bauen lassen. Friedrich Garfs Geburtsort war Weitendorf bei Brüel (1872). Sein Vater arbeitete dort als Chausseewärter. Seine Familie lebte in Armut. Alles was er durch seinen kaufmännischen Beruf und späteren Erfolg verdiente und erübrigen konnte, gehörte seiner Familie und den Bürgern von Brüel. Besonders mit den barfuß laufenden Kindern hatte er Mitleid. Gemeinsam mit seiner Frau Frieda ließen sie damals Schuster Kanter kommen, um in ihrer großen Veranda die Kinder mit Schuhwerk zu versorgen. Friedrich Garfs, als Unternehmer und Stifter der Brüeler Vogelschussfeste, hatte ca. 30 Jahre bis zum letzten Schützenkönig 1939, die wertvollen Preise mit Datum und seinem Namen eingraviert, überreicht. 1928 finanzierte er in Brüel die dreigeschossige Krieger-Witwen-Villa als Stiftung mit der Inschrift: Es ist nicht mein, es ist dein Werk. Seit 1898 besaß Garfs eine Lebensmittelgroßhandlung in Rostock und 1900 ein Kaffee- und Konfitürengeschäft in Stralsund. Gegenüber meinem Großelternhaus war das Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäft Hansa Otto Möller, der mit Garfs eine Franchise-Vertriebsform abgeschlossen hatte. Nachdem Friedrich Garfs den sechs Jahre älteren Hamburger Kaufmann und Importeur Heinrich Thams1896 in seiner "Caffee- und Theehandlung" kennen gelernt hatte, wurde ihr Wunsch, einen gemeinsamen Bund zu schließen, 1908 umgesetzt. Die Lizenz vom Hamburger Rat zur Führung des gemeinsamen Firmennamen "Thams & Garfs" wurde unter der Auflage erteilt, dass der Zusatz "Hamburger Kaffee-Lager" verwendet werden muss. Sie betrieben gemeinsam außer dem Großhandel und dem dem Import auch einen Versandhandel innerhalb der Großstädte. Mit der Spezialisierung der beiden Partner gelang eine rationelle Verknüpfung von Bezug und Vertrieb der Waren. Heinrich Thams war Großhändler und Importkaufmann, er führte Kaffee ein und ließ ihn rösten. Garfs bot ihm mit seinen Geschäften die Möglichkeit weiträumigen Absatzes und hatte ein feines Gespür und Geschick durch Gewinnbeteiligung bis 30 % die Filialleiter zu selbstständigen Geschäftsleuten zu machen. Ihr gemeinsames Logo wurde mit viel Freude begrüßt. Auch in Brüel bei Hansa Möller kam " der Mann mit der Sackkarre " . Die Urgroßeltern sahen ihn vom Pferdewagen klettern, die Großeltern und meine Eltern ihn bereits aus den Lastwagen steigen. Er ging mit Hansahemd, steifen Kragen, weißen Knöpfen und weiter weißer Sackschürze zum Torweg und mit seiner beladenen Sackkarre und seinem hellgrauen Kaffeesack mit eben diesem Markenzeichen, wie er selber angezogen war. Das hölzerne Markenzeichen von Thams & Garfs bleibt noch heute ein beliebtes Sammlerstück: Der Mann mit der Sackkarre! (Und nicht wie ein Diskussionspartner meint, Thaga-Mann). Wechselhaft und zeitenabhängig verliefen auch die Geschicke des Stamm-und Handelshauses von Thams & Garfs in Hamburg. Aus ihren Spezialitätengeschäften wurden nach dem Ersten Weltkrieg lebensnotwendige Lebensmittelläden. Kolonien hatte Deutschland nicht mehr. Die über 1.200 Geschäfte in Deutschland schmolzen auf 400 zusammen. Zum Sortiment gehörten außer Kaffee, Tee und Kakao nun auch Reis, Hülsenfrüchte, Margarine, Schmalz, Olivenöl, Konserven, Obst, Dosen- und Trockenfrüchte, Kokosraspeln, Spirituosen und Weine. 1925 hatten dann Thams & Garfs wieder über 600 Geschäfte von Flensburg bis Tilsit. In Mecklenburg gab es außer den je vier Geschäften in Rostock und Schwerin noch Filialen in Wismar, Crivitz, Parchim, Ludwigslust und auch in anderen Kleinstädten. 1933 hatte der Bund "Thams und Garfs" ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. Zur Erinnerung ließen sich beide im Hause Garfs in Brüel fotografieren. Auf dem runden Tisch mit einer schweren Decke, kunstvoll bestickte Fabelwesen, steht auf einem Ständer eine gärtnerisch gut geflochtene große 25 mit kleinen Früchten, als fruchtbarer Erfolg der Gemeinsamkeit. Neben Thams, dem Importeur, stehen überall Blumengebinde, darunter aus Blättern ein Schiff mit einem Wimpel versehen. Der 61-jährige Kaufmann Garfs sitzt rechts und sein Schnauzbart leuchtet ergraut neben der hohen Zimmerlinde. Diese Fotografie bekamen einige Brüeler Bürger, insbesondere Garfs Geschwister. Als nach drei Jahren 1936, der Siebzigjährige Heinrich Thams starb, blieb der Bund mit dessen Sohn, Hans-Heinrich bestehen. Wenn ich als Kind, Anfang der Vierziger, mit den Gefäßen in der Hand aus großen bunten Essig- und Senfbehältern oder Gurken- und Trockenobstbottiche das Gewünschte von Hansa Möller eingefüllt bekam, blieb mein Blick oben an den vielen Geschenken von Garfs hängen. Er war nicht nur bunt und freundlich dastehend" Der Mann mit der Sackkarre ", sondern es folgten Figuren nie gesehener schwarzer Menschen, Krügen mit Kamelen drauf, wuchtige Blechschilder mit bunten fremdartigen Gewächsen und hübschen Frauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und Errichtung der Zonengrenzen büßte das Unternehmen in Ostdeutschland und den verlorenen Ostprovinzen alle ihre Geschäfte ein. Die Familie Garfs verließ 1945 ihr Haus in Brüel, (Für die früh verstorbene Tochter steht ein Gedenkstein in Brüel/Kronskamp) um auf der sicheren Seite in Lüneburg, die Geschäfte mit dem Stammhaus Hamburg weiterführen zu können. Nur die vier Rostocker Filialen bestanden noch bis 1953 und wurden von einer "Treuhandstelle Mecklenburg" und später von einer staatlichen Handelsorganisation (HO) übernommen. Die vier Schweriner Firmen konnten sich durch den Schwager Kaufmann Moormann noch länger halten, aber eine "Abwicklungsstelle" verbot 1959 den Warenkauf und die Häuser kamen in Liquidation. Die Firma Thams & Garfs blieb weiter in Westdeutschland bestehen. Der Importhandel und der Vertrieb blühten wieder auf. Hans-Heinrich Thams hatte sicher mit Einverständnis von Frau Frieda Garfs die Firma und die Kaffeesorten aus Brasilien in Thaga umbenannt. Das Markenzeichen auf den Fahrertüren " der Mann mit der Sackkarre " und der Firmenname mit großen Buchstaben THAMS & GARFS auf den Seitenwänden der Lastkraftwagen kündeten beim Beladen im Hafen und in den Städten den Kaffeeimport an. Nun hieß der Slogan nicht mehr "Kenner trinken Thams & Garfs Kaffee", nein in den Schaufenstern und über dem Fahrersitz der Wagen las man "Kenner trinken Thaga-Kaffee". Der starke Auftrieb verschiedener Möglichkeitsformen im Wirtschaftswunderland, dass Aufblühen immer mehr ähnlicher Firmen und das Entstehen von Konzernn drängte das alte, nicht mehr verjüngte Unternehmen ebenso an die Wand und zum Ende, wie es der Bund von 1908 vorher in Ostdeutschland erlitten hatten. Das "AUS" für Thams & Garfs war 1985.

eingestellt am 11. November 2010

Von ?http://www.kaffeetraditionsverein.de/Diskussion:Thams_&_Garfs?